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KI für dich · Frei lesbar · 5 Min. Lesezeit

KI für Blinde und Sehbehinderte: Apps, Handy-Funktionen, Brillen und ihre Grenzen

KI beschreibt blinden und sehbehinderten Menschen heute Fotos, liest Texte vor und beantwortet Fragen zur Umgebung. Kostenlos und auf Deutsch gibt es dafür die Apps Be My Eyes mit Be My AI und Microsoft Seeing AI, dazu Bildbeschreibungen in VoiceOver auf dem iPhone und in TalkBack auf Android; KI-Brillen von Ray-Ban Meta mit Kamera kosten laut Ray-Ban ab 419 Euro (Stand Oktober 2026). Die Beschreibungen können falsch sein, deshalb solltest du dich bei Medikamenten, Geld und im Straßenverkehr nicht allein darauf verlassen, und Fotos von Briefen oder Gesichtern landen meist auf Servern der Anbieter.

KI für Blinde und Sehbehinderte: Apps, Handy-Funktionen, Brillen und ihre Grenzen
KI-Illustration

Werkzeuge für blinde und sehbehinderte Menschen

Geprüft am 11. Oktober 2026

  • Be My Eyes mit Be My AI1,17VerfügbarKostenlos (laut App Store)

    Fotos beschreiben lassen und Rückfragen stellen, per Video sehende Freiwillige oder Firmen-Hotlines anrufen; App auf Deutsch, Benutzerkonto nötig.

  • Microsoft Seeing AI3,17VerfügbarKostenlos (laut App Store)

    Text, Dokumente, Barcodes, Geldscheine, Farben und Handschrift erkennen und vorlesen lassen, Fotos aus WhatsApp beschreiben lassen; Oberfläche auf Deutsch.

  • iPhone: VoiceOver-Liveerkennung und Lupe4,5,6,20VerfügbarIn iOS enthalten

    Umgebung und Text live beschreiben lassen; Türen und Personen nur auf Pro-Modellen mit LiDAR-Scanner (ab iPhone 12 Pro); ausführliche Bildbeschreibungen und Fragen zu Bildern brauchen Apple Intelligence unter iOS 27 ab iPhone 15 Pro.

  • Android: TalkBack-Bildbeschreibungen7,8Eingeschränkt

    Bilder auf dem Display mit generativer KI beschreiben lassen; „Gemini fragen“ und „Display beschreiben“ gibt es laut Google bisher nur auf Englisch.

  • Ray-Ban Meta mit Meta AI2,9,10,11,12,18VerfügbarModelle mit Kamera ab 419 € (laut Ray-Ban)

    Per Sprachbefehl ein Foto der Umgebung machen und beschreiben lassen; über Be My Eyes freihändig Freiwillige anrufen, laut Meta derzeit auf Englisch.

  • Envision (App und Envision Glasses)13,14,15EingeschränktApp kostenlos (laut App Store)

    Texte und Dokumente vorlesen, Szenen beschreiben; die Weiterentwicklung endet laut Anbieter am 31.12.2026, falls sich kein Partner findet.

Was KI für blinde und sehbehinderte Menschen heute leistet

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) beschreibt die Chance so: KI kann in kurzer Zeit Beschreibungen von Gegenständen, Personen und Situationen erstellen und sie als Text oder Sprache ausgeben. Das hilft laut DBSV in vielen Lebensbereichen, von der Mobilität über den Beruf bis zum Haushalt.

Im Alltag gibt es drei Arten von Werkzeugen. Erstens Apps, die für blinde und sehbehinderte Menschen gebaut sind, etwa Be My Eyes, Seeing AI und Envision. Zweitens Funktionen, die schon im Handy stecken: VoiceOver auf dem iPhone und TalkBack auf Android. Drittens Brillen mit Kamera, die per Sprachbefehl beschreiben, was vor dir liegt.

Auch allgemeine Chatbots wie ChatGPT können laut dem DBSV-Magazin Sichtweisen detaillierte Bildbeschreibungen liefern. Wie man sie grundsätzlich einrichtet, erklären wir in unserem Beitrag zu KI für Senioren. Hier geht es um die Werkzeuge, die speziell für das Sehen gedacht sind.

Apps: Be My Eyes und Seeing AI

Be My Eyes ist laut App Store kostenlos und auf Deutsch verfügbar. Die App vereint drei Dinge: Videoanrufe mit sehenden Freiwilligen, die eingebaute KI Be My AI, die Fotos beschreibt und Rückfragen beantwortet, und ein Verzeichnis von Firmen und Organisationen, die per Video helfen. Laut Sichtweisen ist dort zum Beispiel auch der DBSV erreichbar. Für die Nutzung brauchst du ein Benutzerkonto.

Microsoft Seeing AI ist laut App Store ebenfalls kostenlos und unter anderem auf Deutsch eingerichtet. Die App liest Text vor, sobald du die Kamera darauf richtest, scannt Dokumente, erkennt Produkte über den Barcode, benennt Geldscheine und Farben und liest Handschrift. Fotos, die dir jemand per WhatsApp schickt, kannst du über „Teilen“ direkt beschreiben lassen, ohne sie zu speichern.

Die Sichtweisen-Redaktion hat beide Apps getestet und lobt sie als einfach bedienbar. Sie hält aber auch fest, dass beide nicht fehlerfrei arbeiten: Aus einem Teppich wurde ein Handtuch, ein langhaariger Mann wurde als Frau beschrieben. Wie gut das Ergebnis ist, hängt stark von Licht und Bildqualität ab.

Schon im Handy: VoiceOver auf dem iPhone und TalkBack auf Android

Auf dem iPhone startest du bei eingeschaltetem VoiceOver mit einem dreifachen Tippen mit vier Fingern die Liveerkennung. Das iPhone beschreibt dann laut Apple, was die Kamera sieht: Szenen, Text, Personen, Türen oder Möbel. Personen, Türen und Möbel erkennt es laut Apple nur auf Pro-Modellen mit LiDAR-Scanner, also ab dem iPhone 12 Pro. Für ausführlichere Bildbeschreibungen und Fragen zu Bildern braucht es Apple Intelligence, das laut Apple unter iOS 27 auf dem iPhone 15 Pro und neueren Modellen läuft. Bildbeschreibungen gibt es laut Apples Übersicht auch auf Deutsch. Dieselbe Erkennung steckt in der App Lupe.

Auf Android-Handys kann der Bildschirmleser TalkBack laut Google Bilder mit generativer KI beschreiben: Fokus auf das Bild, TalkBack-Menü öffnen, „Bild beschreiben“ wählen. Auf dem Pixel 9 und neueren Modellen geht das auch automatisch. Die neuen Funktionen „Gemini fragen“ und „Display beschreiben“ aus TalkBack 16 sind laut Google aber bisher nur auf Englisch verfügbar.

Unsere Einordnung: Bevor du eine zusätzliche App installierst, lohnt sich ein Blick in die Bedienungshilfen deines Handys. Vieles ist dort schon kostenlos eingebaut.

KI-Brillen: Ray-Ban Meta und Envision

KI-Brillen von Meta werden laut Meta auch in Deutschland verkauft und unterstützt. Mit „Hey Meta, sieh dir das an“ macht die Brille ein Foto, schickt es zur Auswertung an Metas Cloud und sagt dir die Antwort über kleine Lautsprecher an. Laut Ray-Ban kosten Modelle mit Kamera ab 419 Euro. Fassungen, in die Gläser mit Sehstärke passen, kosten ab 469 Euro; das ist laut Produktseite nur der Preis für den Rahmen, deine eigenen Korrekturgläser kommen noch dazu. Die günstigere Ray-Ban Meta Audio ist laut Ray-Ban ab 379 Euro vorbestellbar. Sie hat keine Kamera und kann deshalb nichts beschreiben. Be My Eyes lässt sich mit der Brille verbinden, sodass du Freiwillige freihändig anrufen kannst. Laut Meta-Hilfe ist diese Funktion derzeit aber auf Englisch verfügbar. Seit März 2026 kannst du laut Be My Eyes über die Brille auch eigene Gruppen aus Familie und Freunden anrufen, ohne Kosten für dich.

Wie das im Alltag aussieht, hat der SWR mit einem blinden Dozenten aus Stuttgart gezeigt. Er hat etwas mehr als 400 Euro bezahlt und schätzt, dass er den Blindenstock in der Hand behalten kann. An der Haltestelle nannte die Brille aber eine falsche Haltestelle statt der Linie, und die Antwort kann bis zu fünf Sekunden dauern. Die Bahn fuhr ohne ihn ab.

Envision verkauft eine eigene Brille, die laut Anbieter als Medizinprodukt eingestuft ist und deshalb von deutschen Krankenkassen bezahlt werden kann. Am 5. Oktober 2026 haben die Gründer aber angekündigt: Findet sich bis Jahresende kein Partner, endet die Weiterentwicklung am 31. Dezember 2026. Danach sollen die Online-Funktionen der App auslaufen; eine letzte Version der App mit möglichst vielen Offline-Funktionen soll kostenlos bleiben. Was dann mit der Brille passiert, sagt die Ankündigung nicht. Wer jetzt über eine Envision-Brille nachdenkt, sollte das kennen.

Fehler und Datenschutz: worauf du achten solltest

Der DBSV warnt, dass falsche Ausgaben und erfundene Antworten bei KI als Hilfsmittel schwere Folgen haben können. Apple schreibt ausdrücklich, dass man sich bei riskanten Situationen, beim Navigieren und bei Gesundheitsfragen nicht auf die Erkennung verlassen soll. Unsere Einordnung: Dosierungen auf Medikamentenpackungen, Geldbeträge und alles im Straßenverkehr, etwa Ampeln oder Bahnlinien, prüfst du immer zusätzlich, zum Beispiel mit einer zweiten App, einem Menschen oder dem Langstock.

Beim Datenschutz lohnt der genaue Blick. Google verarbeitet Bilder für TalkBack-Beschreibungen laut eigener Aussage und löscht sie danach. Bei der Meta-Brille gehen Fotos in Metas Cloud und bleiben in der Meta-AI-App einsehbar. Be My Eyes gibt im App Store an, dass auch vertrauliche Daten und Inhalte mit deiner Identität verknüpft werden können. Der Dozent aus dem SWR-Beitrag fotografiert deshalb nie Briefe mit Bankdaten.

Der DBSV fordert, dass solche Daten möglichst auf dem Gerät selbst verarbeitet werden, und warnt vor heimlichem Filmen mit smarten Brillen. Seeing AI kann Gesichter von Freunden speichern, um sie später wiederzuerkennen. Frag die Personen vorher, ob sie damit einverstanden sind.

Quellen

  1. Apple App Store (Deutschland): Be My Eyes
  2. Be My Eyes: Neue Funktionen auf Ray-Ban Meta und Oakley Meta (11.03.2026)
  3. Apple App Store (Deutschland): Seeing AI
  4. Apple Support: Mit VoiceOver auf dem iPhone Bildschirm und Umgebung beschreiben lassen
  5. Apple Support: Mit der Lupe auf dem iPhone Informationen über die Umgebung erhalten
  6. Apple: Verfügbarkeit von iOS- und iPadOS-Funktionen
  7. Google-Hilfe: Bildbeschreibungen in TalkBack verwenden
  8. Google-Hilfe: Neues in TalkBack 16.0
  9. Meta-Hilfe: Über Be My Eyes auf AI Glasses Freiwillige anrufen
  10. Meta-Hilfe: Meta AI fragen, was du mit deinen AI Glasses siehst
  11. Meta-Hilfe: Länder, in denen AI Glasses unterstützt werden
  12. Ray-Ban Deutschland: Meta AI Glasses, Modelle und Preise
  13. Apple App Store (Deutschland): Envision AI
  14. Envision: All we had, as far as we could (05.10.2026)
  15. Envision: Envision Glasses auf der SightCity 2025, Hinweis zur Krankenkasse
  16. DBSV: Entschließung „KI muss barrierefrei und inklusiv werden“ (25.06.2026)
  17. Sichtweisen (DBSV-Magazin): Wie Apps die Welt hörbar machen, Test von Be My Eyes und Seeing AI
  18. SWR Aktuell: KI-Brille für blinde Menschen, Hilfe oder Risiko? (08.07.2026)
  19. Ray-Ban: Ray-Ban Meta (Gen 2) Blayzer Optics, Produktseite
  20. Apple Support: iPhone-Modelle mit LiDAR-Scanner

KI-gestützt erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell freigegeben.